Mein ganz persönliches Fazit nach über vier Wochen "Corona-Ferien" als Mama von zwei Kindern...

Aktualisiert: Nov 5

Ich muss tatsächlich sagen, dass die Lage bei uns bisher noch relativ entspannt geblieben ist, was sicherlich zu einem großen Teil auch dem wunderbaren Frühlingswetter zu verdanken ist, welches wir ja nun ironischerweise seit Tag 1 der Corona-Quarantäne genießen dürfen. Da spielt es uns natürlich auch in die Karten, dass wir einen großen Garten haben und nahezu jeden Tag die meiste Zeit draußen verbringen konnten. So musste ich bisher auch noch gar nicht allzu tief in die Trickkiste greifen, um meine beiden Wusel (fast 3 und 4) zu beschäftigen. Denn Gott sei Dank sind sie (seit noch nicht allzu langer Zeit!) so weit, dass sie sich wirklich gut beschäftigen können, sei es einzeln jeder für sich, oder auch miteinander. Und das macht wirklich einiges einfacher! Denn ich erinnere mich noch sehr gut an die Zeit, als das noch nicht so war und ich glaube, das kann jede Mutter nachvollziehen, die zwei oder mehrere Kinder in einem relativ kurzen, zeitlichen Abstand geboren hat. Bei meinen Kindern liegen 16 Monate Altersabstand dazwischen und ich kann aus meiner Erfahrung sagen, umso mehr unterdreijährige Kinder im Haus leben, desto anstrengender ist die ganze Sache. Allerdings muss ich auch sagen, dass die Situation, so wie sie jetzt ist, die anstrengenden Jahre zuvor entschädigt und jetzt spüre ich umso mehr, dass es genau richtig war, so wie damals alles gekommen ist. Denn nein, ganz so kurz war dieser Altersabstand nicht geplant...aber jetzt sag ich mir hey, wir haben zwei gesunde Kinder, die jetzt auch noch die perfekten Spielpartner füreinander sind und jetzt gibt es tatsächlich auch Momente in denen ich mich zurücklehnen kann, weil ich nicht mehr die erste Wahl als Spielgefährte bin. Und das ist echt vollkommen okay so!...

Aber natürlich ist auch bei uns nicht alles durchweg positiv in dieser seltsamen Zeit und es gibt auch Tage, da geh ich mir selbst schon auf die Nerven, weil ich nicht weiß wohin mit mir und ich würde so gerne mal wieder etwas Sport machen oder einfach mal wieder ein paar Stunden nur für mich sein oder mich mit einer Freundin treffen, oder, oder, oder... eben alles was man sonst so gemacht hat. Auch meine BabySteps-Kurse fehlen mir, obwohl ich versuche die Zeit sinnvoll zu nutzen und mich umso besser auf meine Kurse vorzubereiten, die nach der Krise ja irgendwann auch mal wieder weitergehen. Und trotzdem fühlt sich das alles nicht “normal” an...eher wie ein Ausnahmezustand, und das ist es ja nun mal auch! Ich genieße es auf der einen Seite, die Kinder so entspannt zu sehen und mal keinen Zeitdruck zu haben, weil wir morgens früh aufstehen und die Kinder in die Kita gebracht werden müssen oder weil wir zu irgendwelchen Terminen hetzen müssen...

Und an den Kindern merke ich, dass dieser ganze Alltagsstress, den man oft dadurch hat, erst der Verursacher von vielen Konflikten ist, die sonst überhaupt nicht entstehen würden...

Und das stimmt mich momentan manchmal etwas nachdenklich und ich überlege, wie man das nach der Krise im Alltag besser vermeiden kann, weil ich jetzt eben merke, wie entspannt eigentlich alles sein könnte, wenn da nicht immer dieser blöde (selbstauferlegte?!) Stress und Druck wären...

Aber auch die jetzige Situation kann für Eltern leicht mit Stress und Druck in Verbindung geraten. Denn wenn ich bei Facebook oder Instagram reinschaue (und das tu ich im Moment leider sehr häufig!), bekomme ich gefühlt in jedem zweiten Beitrag eine neue, tolle Beschäftigung vorgeschlagen, die ich mit meinen Kindern in dieser Zeit ja mal ausprobieren könnte. Und ohne Zweifel, es sind die grandiosesten Ideen darunter und ich denke mir auch bei fast jeder Idee zunächst: “Boah, sowas ist cool! Das machen wir mal!”. Aber dann sehe ich beim Scrollen direkt noch 5 weitere schöne Ideen...und schon weiß ich gar nicht mehr, was ich davon zuerst ausprobieren möchte und bin ehrlich gesagt auch schon wieder leicht überfordert, von dieser Flut an Ideen und Möglichkeiten. Und daraufhin beschleicht mich sofort das schlechte Gewissen, weil ich denke, ich mache viel zu wenig von all diesen Dingen mit meinen Kindern und frage mich, ob sie dadurch etwas verpassen und stelle mir andere Eltern vor, die bestimmt jeden Tag mit ihren Kindern solche tollen Sachen machen...

Es gibt mir also irgendwie ein schlechtes Gefühl und ich fühle mich unter Druck gesetzt doch zumindest mal eine von diesen tollen Ideen in die Tat umzusetzen. Also was tue ich?!...Ich suche mir die Materialien dafür zusammen, evtl. kaufe ich sogar noch extra etwas dafür ein (obwohl mein Bastelschrank sowieso schon überläuft!) und nehme mir das Ganze für den nächsten Tag mit den Kindern vor!

Am nächsten Tag bereite ich also alles mühevoll auf unserem Esstisch vor und endlich kann es losgehen! Dachte ich...denn die Kinder schwirren irgendwo im Haus herum und spielen “Anna und Elsa”. Also trommle ich sie zusammen und kann es quasi kaum erwarten ihre begeisterten Blicke zu sehen, wenn sie sehen was ich Tolles vorbereitet habe...NICHT!... Sie setzen sich zwar zunächst an den Tisch und sind scheinbar zumindest neugierig darauf, was jetzt kommt...aber nach knapp 10 Minuten haben sie auch schon keine Lust mehr und ich sitze da und kann selbst die restlichen Tontöpfe bemalen, die ich extra für diese Aktion gekauft habe...Toll!...

Seitdem schaue ich weniger auf die tollen Bastelideen von anderen, sondern mehr auf meine Kinder und ihre Bedürfnisse...und die liegen zurzeit offensichtlich mehr denn je im freien Spiel und ich finde, das ist auch gar nicht schlimm! Im Gegenteil...Freispiel fördert die Kreativität und lässt ihr freien Lauf und die Kinder können dabei wunderbar in ihre eigenen Welten abtauchen und sich dort ausprobieren und entfalten. Und es macht im Übrigen auch total Spaß sie dabei einfach nur mal für eine Weile zu beobachten. Und selbst wenn sie mal Langeweile haben sollten, dann ist auch das okay! Und ja, auch das fördert die Kreativität und manchmal braucht es auch nur einen kleinen Impuls, um wieder ins Spiel zu finden, statt einem komplett vorgefertigten und durchgeplanten Angebot durch uns.

Und wenn uns allen wirklich mal die Decke auf den Kopf fällt, dann hol ich einfach alle meine Bastelsachen, die ich sowieso zu Hause habe, raus und lass einfach mal die Kinder machen und entscheiden. Und wenn sie dann zu mir sagen: “ Mama, ich weiß nicht, was ich basteln soll. Hast du eine Idee?”, dann kann ich sagen: “Na klar. Ich habe da nämlich was gesehen. Das könnten wir vielleicht mal ausprobieren, wenn du Lust hast!” ;)


© 2019 erstellt von Kathrin Erdmann